Die Search Console von Google ist für Site-Betreiber sicherlich eine der wertvollsten und ersten Anlaufstellen. Wer ihr wichtige Daten entlocken möchte, stößt über die Weboberfläche schnell an die harte Grenze von nur 1.000 Zeilen beim Download. Zudem lassen sich Kombinationen von Suchbegriffen und URLs so nicht vernünftig abfragen. Ein ehemaliger Student des Studiengangs E-Commerce der Technischen Hochschule in Würzburg, Vitus Haberzettl, und sein Bruder Lorenz haben in Eigenregie eine eigene Node für KNIME entwickelt, mit der sich problemlos direkt in KNIME bis zu 100.000 Zeilen abfragen lassen. Allein dafür lohnt sich der Einsatz des kostenlosen Datentools, das keinerlei Programmierkenntnisse erfordert. Die Einrichtung der Search-Console-Abfrage ist in wenigen Minuten erledigt und liefert ab da alle Daten, die das SEO-Herz begehrt.
Google Search Console mit KNIME abfragen
Die beiden Nodes sind noch recht neu und daher noch nicht im Standardset von KNIME enthalten. Die Aufnahme soll aber nach Rücksprache mit KNIME möglichst schnell erfolgen, sodass man sie später direkt als Erweiterung vom Programm aus integrieren kann. Bis dahin muss die Installation der Nodes noch manuell erfolgen – das ist aber recht schnell passiert.
Die Integration der Nodes in KNIME
Auf der eigens dafür erstellten Seite searchanalyticsnode.com findet man eine Erklärung auf Englisch. Hier eine kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung:
Gehen Sie in KNIME, wie in Abb. 2 zu sehen ist, rechts oben auf Preferences (Ziffer 1): Wählen Sie dann rechts in der Liste unter „Install/Update“ den Punkt „Available Software Sites“ aus (Ziffer 2). Nach dem Klick auf „Add“ (Ziffer 3) erscheint ein Pop-up, in das Sie den Namen der Site und die Location (Ziffer 4) eingeben. Beim Namen sind Sie frei (hier wurde Search Analytics verwendet) und als URL verwenden Sie install.searchanalyticsnode.com/5.4. Wer eine alte KNIME-Version verwendet, muss gegebenenfalls statt /5.4 am Ende /5.3 verwenden. Klicken Sie auf „Add“ (Ziffer 5) und anschließend unten auf „Apply and Close“ (Ziffer 6), um den Dialog abzuschließen.
KNIME kennt ab jetzt die Installationsadresse für die Search-Analytics-Node und kann später gegebenenfalls auch automatisch Updates von dort durchführen.
Damit die Nodes von dieser Adresse in KNIME auch tatsächlich zur Verfügung stehen, müssen sie jetzt noch dort eingefügt werden. Auch das geht recht einfach, wie Abb. 3 zeigt. Sie klicken dazu rechts oben auf „Menü“ (Ziffer 1) und dort auf „Install extensions“ (Ziffer 2). Im sich öffnenden Fenster suchen Sie „Search Analytics Node“, klicken die Unterzeile auf und klicken die Checkboxen an, wie in Ziffer 3 zu sehen ist. Ein Klick unten auf „Next“ (Ziffer 4) führt durch den Trust-Prozess von KNIME. Da die Node extern installiert wird, müssen Sie den Fingerprint der beiden Entwickler (der Name und die Gültigkeit des PGP-Zertifikats ist dort zu sehen) akzeptieren (Klick jeweils auf „Trust Artifacts“ und „Trust Authorities“ jeweils mit „select all“) und die oben hinterlegte Location für die Node als vertrauenswürdig bestätigen. Das soll sicherstellen, dass keine Software von Sites installiert wird, die Sie nicht freigegeben haben (Ziffern 5 und 6).
Das war schon alles. Nun muss KNIME neu gestartet werden, damit die Nodes verfügbar sind. Bitte beachten Sie dabei, dass der Installationsvorgang im unteren Bereich angezeigt wird und teilweise etwas dauern kann (Abb. 4). Erst wenn dieser abgeschlossen ist, sollten Sie KNIME wirklich neu starten.
Nach dem Neustart von KNIME öffnen Sie das Menüfenster für die Nodes (Abb. 5) und geben im Suchfeld einfach „Search“ ein, um alle vorhandenen Nodes nach Namen zu filtern. Jetzt sollten Sie drei neue Nodes sehen können, nämlich Search Analytics Query, Search Analytics Authenticator und Search Analytics URL Inspection (dazu später mehr!).
Ziehen Sie nun einfach die beiden Nodes SA Query und SA Authenticator auf eine leere Workbench beziehungsweise in einen Workflow (über „Explorer“/„Create a new workflow“).
Die Search-Analytics-Authenticator-Node konfigurieren
Die graue Authenticator-Node müssen Sie nur einmal bei Google authentifizieren. Die beiden Programmierer haben dazu eine gesonderte Node programmiert, weil die in KNIME enthaltene Node deutlich komplizierter ist und über Zugriffsschlüssel von Google funktioniert, die man dort erst anfordern muss. Dieser Prozess hier ist also wesentlich einfacher, wie Abb. 6 zeigt. Klicken Sie auf das Zahnrad (Ziffer 1), um zu entscheiden, ob der Zugriff auf die Search Console nur für eine Stunde gelten soll oder ob er bestehen bleibt, solange die Node in einem Workflow gespeichert ist (Ziffer 2). Wählen Sie „Never“, wenn Sie sich nicht jede Stunde oder bei jedem späteren Aufruf des Workflows ständig neu anmelden wollen. Führen Sie nun die Node mit einem Klick auf das Dreieck neben dem Zahnrad („Execute“) (Ziffer 3) aus. Nun öffnet sich Ihr Chrome-Browser und fragt an, mit welchem Account (falls Sie mehrere hinterlegt haben) Sie den Zugriff erlauben wollen. Natürlich muss der identisch sein mit dem, der Ihnen den Zugriff auf die Search Console ermöglicht. Bestätigen Sie im zweiten Fenster, dass Sie der Search-Analytics-Node den Zugriff erlauben (Ziffern 4 und 5). Die kleine Ampel unter der Node springt nun auf Grün um (Ziffer 6) und zeigt an, dass alles geklappt hat. Das Browser-Fenster können Sie nach der Freigabe wieder schließen.
Damit sind alle nötigen Vorarbeiten erledigt, die Sie in der Regel auch nur einmal durchführen müssen, es sei denn, Sie legen weitere Workflows mit der Node an. Dann wird aus Sicherheitsgründen jedes Mal eine Authentifizierung verlangt.
Die Search-Analytics-Query-Node nutzen
Der letzte Schritt ist, die Authenticator-Node mit der Search-Analytics-Query-Node zu verbinden (Abb.7, Ziffer 1). Der Rest geht praktisch intuitiv und selbsterklärend. Das Konfigurationsfenster (Aufrufen über Ziffer 2) der SA-Query-Node ist weitgehend selbsterklärend. Man wählt dort die Propertys aus, sofern man auf mehrere Domains Zugriff hat (Ziffer 3) und den Search Type (in der Regel Web, Ziffer 4). Beim Date Range kann man auf vorgefertigte Zeiträume zugreifen (Ziffer 5) oder eigene festlegen (Ziffer 6). Die Daten der Search Console gehen bekanntlich jeweils 16 Monate in die Vergangenheit zurück. Anschließend wählt man aus, welche Metriken man haben möchte (Ziffer 7). Versuchen Sie es zunächst mit der Kombination URL/Query. Das liefert Ihnen eine Liste aller Keywords mit allen URLs, zu denen das Keyword im Zeitraum in Suchergebnissen aufgetaucht ist. Achtung: Hier finden Sie in der Regel zu einem Keyword mehrere URLs und zu einer URL mehrere rankende Keywords. Das sollten Sie bei der weiteren Verarbeitung im Kopf behalten. Über eine derartige Tabelle können Sie zum Beispiel filtern, wo es Mehrfachrankings oder Keyword-Kannibalismus gibt.
Wenn Sie auf „Show advanced settings“ klicken, können Sie die Anzahl der Ergebniszeilen bis auf 100.000 erhöhen. Ein Tipp: Verwenden Sie beim Testen und Ausprobieren erst einmal eine kleinere Zahl, dann müssen Sie nicht so lange auf Ergebnisse warten und schonen den Datenverkehr etwas. Führen Sie die Node anschließend aus („Execute“) und die Ampel springt auf Grün (Ziffer 10), sobald alle Daten übertragen wurden, was Sie dann auch gleich im Datenfenster direkt in KNIME sehen können. Falls Sie die Daten lieber in ein Format wie zum Beispiel Excel oder auch in eine Datenbank exportieren möchten, verwenden Sie einfach die entsprechende Node (Ziffer 11).
Noch ein Bonustipp
Sicher erinnern Sie sich, dass weiter oben erwähnt wurde, dass es noch eine dritte Node gibt: die Search Analytics URL Inspection. Wenn Sie diese über das graue Kästchen links oben an der Node mit der Authenticator-Node verbinden (Abb. 8, Ziffer 1), können Sie direkt von Google wertvolle Daten über den Indexierungsstatus jeder URL Ihrer Domain abrufen und Informationen zu Mobile Usability, Accelerated Mobil Pages und Rich Results abrufen. Dazu verwenden Sie am besten eine Liste aller URLs, die Sie prüfen möchten. Im Beispiel wurde eine Excel-Tabelle (Ziffer 2) angebunden, die eine Spalte namens „Page“ (Ziffer 3) für alle URLs enthält. Je nach der Anzahl und Datenmenge der „Modules“ (Ziffer 4), die Sie abfragen möchten, dauert das Abholen bei Google hier teilweise deutlich länger. Der Preis dafür sind wertvolle Daten, welche URLs Google indexiert hat und welche nicht (Ziffer 5). Sie bekommen zum Beispiel auch Hinweise, ob eine von Ihnen geprüfte URL in Ihrer Sitemap vorhanden ist (Ziffer 6). Probieren Sie die Node einfach mit einem kleinen Set an URLs einmal aus und entscheiden Sie dann, welche Metriken für Sie interessant sind und ob es Erkenntnisse für eine notwendige Optimierung gibt.
Tipp
Unter einfach.st/knime62 haben die beiden Programmierer übrigens ein kleines Schaubild mit einem Demo Workflow hinterlegt. Er zeigt, wie man die Abfrage der SA Query Node optimal mit der SA URL-Inspection Node direkt miteinander verbinden kann.
Fazit
Die drei Nodes lassen sich in beliebige Workflows in KNIME einbinden. Somit entfällt der Import von Search-Console-Daten aus anderen Programmen wie zum Beispiel Screaming Frog oder aus Google-Sheets (mit der entsprechenden Erweiterung, die GSC-Daten importiert). Auch die Verwendung von Schleifen ist möglich, um zum Beispiel Metriken einzeln nach Tagen, Geräten oder der Search Appearance abzurufen und entsprechend zu gruppieren. Der Direktzugriff auf die Search Console macht die Arbeit für alle deutlich einfacher, die bereits mit KNIME gearbeitet haben, und letztlich kann diese Möglichkeit auch der letzte Anstoß sein, sich nun doch einmal mit dem Tool zu beschäftigen. Lesen Sie auch den nachfolgenden Beitrag von Rebecca Schwarz, der einen recht nützlichen Workflow beschreibt und in dem bereits zwei der neuen Nodes enthalten sind.








