Der CO2-Doc fragt:

Was sollte ich bei Schriften beachten?

Torsten Beyer
Torsten Beyer

Dr. Torsten Beyer ist promovierter Chemiker und seit 1998 selbstständig. Als Keynote Speaker, Buchautor, Akademie-Gründer, Podcaster und Berater ist es seine Leidenschaft, Webseiten und digitale Kommunikation datensparsamer und nachhaltiger zu machen, um so den CO₂-Fußabdruck zu verkleinern. Er unterstützt Unternehmen bei der technischen Suchmaschinenoptimierung und hat sich auf die Realisierung schneller Webseiten spezialisiert. Dr. Beyer ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen, war schon zu Gast in vielen Podcasts und teilt sein Wissen regelmäßig auf Konferenzen sowie in der „Web, But Green!“ Akademie.

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Mehr als zwei Schriftarten braucht eigentlich keine Website. Beim Thema Datensparsamkeit sind Systemschriften unschlagbar, denn sie sind bereits auf allen Endgeräten vorhanden. Wer aus Design- oder CI-Gründen eigene Schriften einsetzt, kann deren Datenvolumen oft deutlich reduzieren. Auf die digitale Müllhalde gehören Icon-Schriften!

In den Anfangszeiten des World Wide Web war man auf Systemschriften wie „Arial“ und „Times New Roman“ angewiesen, denn externe Schriften wurden erst Ende der 1990er-Jahre mit der CSS-2.0-Spezifikation und der @font-face-Regel möglich. 2010 nutzten nur 1,5 % aller Websites eigene Schriften – heute sind es über 80 %. Im Schnitt haben Websites heute 100 Kilobyte Schriftdateien im Gepäck. Im Verzeichnis „What Font Is“ sind aktuell unglaubliche 1,17 Millionen Schriften verzeichnet – Tendenz steigend.

Auch bei den Formaten gab es eine Evolution: von reinen PC-Formaten wie Embedded Open Type (EOT), TrueType (TTF), Open Type (OTF) bis hin zum schlanken, speziell für Websites entwickelten Web Open Font Format (WOFF). Seit 2018 gibt es das noch datensparsamere WOFF2-Format, das aus unerfindlichen Gründen noch kein offizieller W3C-Standard ist. Laut Web Almanac 2024 nutzen trotzdem 80 % aller Websites bereits WOFF2 (oft mit Fallback auf WOFF), während jeweils 10 % noch auf WOFF beziehungsweise ältere Formate setzen. Das lässt sich mit Online-Tools wie „Font Squirrel“ oder „FontForge“ (Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.) leicht optimieren.

Dann ist ja eigentlich schon alles gut? Nein! In den kürzlich veröffentlichten „Web Sustainability Guidelines“ des W3C werden noch weitere Maßnahmen empfohlen. Wo immer möglich sollten Standardsystemschriften verwendet werden. Darüber hinaus sollte die Anzahl der verwendeten Schriften und Varianten innerhalb einer Schrift (Schnitte) nur auf das Notwendige begrenzt werden. Zudem sollten alle benutzerdefinierten Schriften immer als Teil eines Font-Stacks mit einer Systemschrift als Fallback eingebunden werden – für optimale Zugänglichkeit und Zukunftssicherheit.

Trotz Abmahnrisiken werden Schriftdateien immer noch eingebunden, statt sie selbst zu hosten. Außerdem sollten nicht verwendete Zeichen, zum Beispiel aus anderen Sprachen, eliminiert werden. Denn das alles ist unnötiger Datenballast! Und wer viele Schriftschnitte nutzt, kann mit rein vektorbasierten „Variable Fonts“ einiges an Datenvolumen einsparen. Google bietet das alles für seine Fonts an. Bei Baukastensystemen und CMS-Templates sind Icon-Fonts eine weitverbreitete Unsitte. Anstatt Hunderte Icons zu laden und nur eine Handvoll zu verwenden, sind SVG-Sprites hier die nachhaltigere Alternative.

Bei Audits findet man leider oft noch veraltete Formate oder zahlreiche Schriftdateien und -schnitte, die das Datenvolumen für Schriften auf über ein Megabyte anschwellen lassen. Das Gute: Einmal optimiert, freuen sich Besucher über schnellere Ladezeiten und die Umwelt über weniger unnötige CO₂-Emissionen.