Projekt Unicorn

  • Autoren: Kim, Gene
  • Verlag: O´Reilly
  • Jahr: 2020
  • Seiten: 374
  • Preis: 24,90 € (D)
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Spaß

Wieder mal ein Roman. Gibt es eigentlich für diese Art von Büchern eine eigene Bezeichnung? Lernroman? Fachroman? In Reclams Romanführer – Erstauflage 1962 – wird man zu dieser Spezies nicht fündig. Allgemein heißt es da: „Vor allem der Roman vermag in seiner offenen und variablen Form schlechthin alles, was den Menschen erfüllt und bewegt, wonach er strebt und was er sich erträumt, was ihn beängstigt und beglückt, und worüber er in befreiendem Lachen sich erhebt, zu gestalten“ (S. 7). In moderner Fachsprache würde man vielleicht „Educational Storytelling“ als Genre-Bezeichnung wählen. In erster Linie ist Projekt Unicorn spannend. Hat man die ersten Seiten hinter sich, so fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Und wie bei manchem historischen Roman muss man sich erst in die Zeit und die Begrifflichkeit hineindenken. Bekannt erscheinen hingegen die organisatorischen und politischen Abläufe in einem Großunternehmen. Unbeteiligte werden zu Verantwortlichen erklärt, technologische Entscheidungen mit Personalveränderungen begründet und eine Reihe klar herausgearbeiteter Personen finden ihre realen Abbildungen in fast allen Unternehmen: Eine technologisch unbedarfte Managerin (Sarah), ein außerhalb der Hierarchie stehender Beobachter (Erik) oder eben eine engagierte und innovative Nachwuchskraft wie Maxime. Und die tatsächliche Botschaft des Buches konzentriert sich auf fünf sogenannte „Ideale“: Lokalität und Einfachheit; Fokus, Flow und Freude; Verbesserung der täglichen Arbeit; psychologische Sicherheit; Kundenorientierung. Dazwischen liefern sich Ops und DevOps auf Basis überlaufender Ticketsysteme und Feature List einen Kampf gegen das Management und gegen fixe Termine: Black Friday, Weihnachten, Vorstandsvorsitzende: Der Druck kommt von allen Seiten. Data Hubs, veraltete ERP-Systeme und ausfallende Server führen zu Outsourcing, Verwendung von Docker-Containern und veränderter Testumgebung. Dazwischen gestreut erfährt der Leser von Doktor Geoffrey Moore „Crossing the Chasm“ und dem Problem des Durchbrechens der Horizont 1, 2 und 3 Geschäfte. Ob die angestrebte digitale Disruption wirklich gelingt, soll offenbleiben. Definitiv lesenswert, vorausgesetzt, man hat die Zeit und keine Angst, sich selbst in der einen oder anderen Rolle wiederzufinden. (Michael Müßig)