Ab 28. Juni 2025 wird digitale Barrierefreiheit in Deutschland für viele Unternehmen Pflicht: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) betrifft zahlreiche Anbieter von Online-Diensten – von Websites über Shops bis Buchungsplattformen. Wer jetzt handelt, profitiert nicht nur rechtlich, sondern auch wirtschaftlich: Barrierefreie Websites erschließen neue Zielgruppen, vermeiden Umsatzeinbußen und bieten gleichzeitig Chancen für mehr digitale Nachhaltigkeit.
Der CO2-Doc fragt:
Ist barrierefreies Webdesign auch nachhaltiger?
Für den aktuellen WebAIM Million Report wurden die Startseiten der eine Million meistbesuchten Websites automatisiert auf Barrierefreiheitsprobleme analysiert (Abbildung 1). Das Ergebnis: Nur 5,2 % sind frei von Barrieren. Im Schnitt treten 51 Fehler pro Seite auf, besonders häufig niedriger Farbkontrast, fehlende Alternativtexte oder unbeschriftete Formularelemente. Bei einer manuellen Prüfung nach den „Web Content Accessibility Guidelines“ (WCAG) (www.w3.org/TR/WCAG21/) finden sich meist noch mehr Hürden. Viele Seiten machen es Menschen mit Einschränkungen schwer, Informationen zu finden oder Services zu nutzen – und verlieren dadurch potenzielle Kunden und Umsatz. Besonders bedenklich: Gerade einmal 0,5 % der 200 größten Seiten verwenden valides HTML (meiert.com/en/blog/html-conformance-2024/), was nicht nur für Barrierefreiheit wichtig ist, sondern auch für eine effiziente, ressourcenschonende Darstellung auf allen Endgeräten.
Doch was hat das alles mit Nachhaltigkeit zu tun? Mehr als man denkt! Viele typische Barrieren entstehen durch technischen Wildwuchs – also zu viel, schlecht strukturierten oder unnötigen Code, riesige oder überflüssige Bilder, automatisch startende Videos oder zu viele Skripte und Animationen. All das behindert nicht nur Menschen mit Einschränkungen, sondern verlangsamt Seiten, erhöht das Datenvolumen sowie den Stromverbrauch und damit den CO₂-Ausstoß. Viele Anforderungen an Barrierefreiheit sind zugleich echte Nachhaltigkeitstreiber, wie ein Blick in die WCAG 2.1 Richtlinien zeigt:
- Textalternativen für Bilder: Sie helfen sehbehinderten Menschen und machen unnötige, datenintensive Bilder verzichtbar.
- Keine automatisch startenden Medien: Spart Bandbreite und Strom, steigert die Nutzerfreundlichkeit.
- Weniger Animationen und Bewegungen: Reduziert Ablenkung und Rechenaufwand – gut für Menschen, Geräte und die Umwelt.
- Tastaturbedienbarkeit: Führt zu klarerer, logisch aufgebauter Navigation und benötigt weniger JavaScript.
- Semantisches, valides HTML: Hilft Screenreadern, verbessert Wartbarkeit, SEO und sorgt für effiziente Darstellung – und schont damit Ressourcen.
Wer jetzt seine Templates grundlegend überarbeitet, verbindet Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit. Budgets für „nachhaltige Templates“ gibt es selten, aber die Pflicht zur Barrierefreiheit schafft einen echten Mehrwert.
Wer sich auf das Wesentliche beschränkt, macht seine Website klarer und verständlicher – und jedes eingesparte Byte reduziert sowohl digitale Barrieren als auch den Energieverbrauch. Davon profitieren letztlich alle: Menschen mit und ohne Einschränkungen, die Umwelt – und nicht zuletzt die Performance der eigenen Website. Barrierefreiheit wird zur Pflicht – Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsvorteil.

