Facebook: Rüde und Prüde?

Ob der bevorstehende Börsengang und damit Überlegungen für neue Einnahmequellen dahinter stecken, ist nicht bekannt. Jedenfalls wird das Geschäftsgebahren von Facebook immer kurioser. Zuletzt hatte man ja angekündigt, die sog. „Timeline“ für alle Benutzer zwangsweise einzuführen – nachdem offenbar nicht genügend Nutzer freiwillig auf dieses neue Feature wechseln wollten. Der neue Coup ist offenbar, Städte und Regionen selbst zu vermarkten. Dumm nur, dass sich auf den entsprechenden URL wie z. B. facebook.com/muenchen ja schon Städte „niedergelassen“ haben. Im Fall von München, hatte Facebook vor zwei Jahren der Stadt ja sogar vorgeschlagen, dies zu tun, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat. Ist das jetzt ein Problem für Facebook? Nein, denn…

…man löscht diese URL einfach und ohne Vorwarnung. Die Folge: 400.000 weltweite Fans von München sind verschwunden. Bei Bedarf ändert Facebook bekanntermaßen die Richtlinien und nach denen ist es jetzt nicht mehr erlaubt, Seiten nach Städten zu benennen. Auf Nachfrage teilte Facebook dem erstaunten München mit, dass man alle Fans auf eine neue Adresse umziehen werde. Wann das passiert, blieb offen. Einmal mehr zeigt Marc Zuckerberg, dass er wenig Rücksicht auf die Nutzer nimmt, wenn es um die Umsetzung neuer Ideen und Geschäftsfelder geht.

Adrian Chen hat auf gawker.com die Zensurrichtlinien von Facebook ins Netz gestellt. Diese folgen der typischen Zwiespaltung der Amerikaner: Halbautomatische Waffen im Supermarkt anzubieten ist ok, aber die Brustwarze einer stillenden Mutter fällt prüde unter Pornographie. Auch abnorme Darstellung von Tieren ist völlig ok, solange nur Tiere auf den Bildern sind. Die Guidelines sind hier verfügbar. Bis vor kurzem war übrigens die Darstellung von Körperflüssigkeiten nicht erlaubt – seit der neuesten Version 6.2 sind sie es. Ausgenommen ist allerdings weiterhin explizit männlicher Samen. Obelix würde das wohl mit einem Achselzucken und „die spinnen, die Amis“ kommentieren…

Gewinnt das alte Sprichwort „Trau, schau, wem“ wieder an Aktualität? Sollte man als Unternehmen mehr Sorgfalt bei der Auswahl walten lassen, mit wem man sich im Web „ins Bett legt“, wenn man am nächsten Morgen nicht verkatert aufwachen möchte? Hat man überhaupt eine Alternative oder ist man Facebooks Geschäftsgebahren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert?

Was glaubt Ihr?

 

6 Antworten zu “Facebook: Rüde und Prüde?”
  1. Bettina Wulf aus Sylt sagt:

    Nun ja- habe letztens gerade gelesen, wie bei FB mit den „Melden“ umgegangen wird und selbst da ist FB fein raus. Das läuft erstmal ausgesourced. dh ein unter bezahlter Mensch aus einem 3. Weltland entscheidet darüber, ob die Seite nun anstößig ist oder nicht. FB schert sich einen Dreck um die User.

    Aber eines dürfen wir nicht vergessen: Es ist umsonst und wenn etwas umsonst ist, dann dürfen wir auch nicht viel erwarten.

  2. Auf facebook komplett zu verzichten können sich heute die meisten Unternehmen heute kaum leisten, so ist die allgemeine Meinung. Ich rate allen meinen Bekannten zur Vorsicht bei der Benutzung dieses Super-Portals. Man sollte immer im Hinterkopf behalten: alle Inhalte die ich dort einmal publiziert oder hochgeladen habe, liegen nicht mehr in meiner Hand.

  3. Im Ernst ich finde du hast völlig Recht. Facebook ist so eine Macht alles was denen irgendwie nicht passt, wird sozusagen zensiert. Facebook ist schon sowas China oder Russland. Aber trotzdem bin ich fast jeden Tag in FB, weil es einfach interessant ist. Man kriegt so viele Sachen mit, man kann Seiten berühmt machen, Spiele spielen und noch mehr. Also Facebook an sich ist super der Rest mangelhaft.

    Der STREETSURFER.

  4. Ulrike sagt:

    Ich schließe mich den ersten beiden Kommentaren sofort an: 1. Facebook ist kostenlos und 2. Unternehmen werden wohl kaum auf eine Seite bei Facebook verzichten können/wollen. Facebook ist und bleibt eine interessante Plattform, um sich mitzuteilen und der „Welt“ zu zeigen. Diese Option ist einfach unglaublich verlockend und es ist zunächst nichts Falsches dabei. Dass Facebook nun aber auch seine Tücken hat, sollte jedem bei der Benutzung im Hinterkopf bleiben.

  5. Wolfi Jagsch sagt:

    Facebook wird gerade fürs Community Building immer wichtiger. Wer seine Marke sozial vermarkten möchte, der sollte vor allem diese Plattform keinesfalls auslassen. Man kann sich dort eine eigene Community heranzüchten, die für einen als Sprachrohr agiert. Ich als Seo Texter mache das für meine Kunden bereits und es funktioniert. Sprich: Anonyme Käufer werden zu Fans und Botschaftern fürs eigene Unternehmen. Das ist ein hochwirksames Marketinginstrument, auf welches keine Firma verzichten sollte.

  6. Nadeschda sagt:

    Für unerläßlich halte ich einen Facebook Account für Unternehmen nicht unbedingt. Ich denke, das hängt von der Zielgruppe ab. Sicherlich sollte Social Media heutzutage nicht ignoriert werden, jedoch denke nicht, dass man auf allen bekannten Plattformen oder speziell auf Facebook vertreten sein muss. Manchmal kann ein YouTube Kanal, verbunden mit einem Google+ Profil viel sinnvoller sein.

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