Kopiert Bing die Suchergebnisse von Google?

Outch. Heute morgen lief es überall über die Online Ticker: Google hat Bing erwischt, dass sie Google-Ergebnisse für das eigene Ranking verwenden würden. Tatsächlich?

Zuerst der Reihe nach: Offenbar hatte Google schon seit längerem den Verdacht, dass Bing sich an deren Suchergebnissen bedient. Also hat man einen Test (die Presse spricht von einer Falle) gemacht und für sinnlose Buchstabenfolgen als Suchbegriff künstlich Ergebnisse generiert, die mit den Buchstaben im Suchfeld rein gar nichts zu tun haben. Dann haben offenbar Mitarbeiter von Google zuhause auf frischen Rechnern über den Internet Explorer und ggf. auch der Toolbar von Bing diese sinnlosen Buchstabenfolgen bei Google zur Suche eingegeben und auf die eigens dafür einmanipulierten Suchergebnisse geklickt. Nach zwei Wochen waren bei Bing nach Eingabe der gleichen Buchstabenfolgen die gleichen (sinnlosen) Suchergebnisse zu finden. Daraus schloss man, dass Bing die Google Suchergebnisse abkupfert. So weit so gut.

Auf einen Bericht des Suchmaschinenexperten Danny Sullivan hin (hier) haben dann verschiedene Medien das Thema aufgegriffen und darüber berichtet. So auch der Spiegel (hier) und die Financial Times Deutschland (hier).

Was ist da nun wirklich passiert? Bing hat eigentlich schon länger ganz offen kommuniziert, dass man sog. Klickstream-Infos mit in den Rankingalgorithmus mit aufnimmt (zuletzt meines Wissens nach hat das Stefan Weitz von Bing bei Markus Tandler in einer Webmasters-on-the-roof Sendung erklärt). Das bedeutet, dass man das Klickverhalten der User mit in das Ranking einfließen lässt. Das machen andere Suchmaschinen ebenfalls und daran ist nach einiger Überlegung auch gar nichts Anrüchiges. Was wäre besser, als das Votum der Surfer (in Form von Klicks) mit einzubeziehen? Das zeigt ja recht eindeutig, was sich Suchenden wirklich spannend und relevant finden – ganz unabhängig davon, was eine Maschine ausgerechnet hat.

Hier haben wir es wohl nun offenbar mit den Tücken algorithmischen Verhaltens zu tun. Normalerweise liegt einer Suchmaschine eine ganze Menge an Daten vor, die für das Ranking einbezogen werden können. Eingehende Links auf Seiten, das Vorkommen von Suchbegriffen auf der Seite, im Title oder der Description, deren Prominenz, Häufigkeit, Formatierung etc. Zu diesen Hauptfaktoren werden zumindest im Fall von Bing eben noch Klickstreamdaten gemischt, wenn auch nur mit niederer Gewichtung. In diesem vorliegenen Fall aber fehlten die normalen Signale für ein Ranking völlig, da  die von Google künstlich zusammengestellten Ergebnisse nichts mit den (sinnfreien) Buchstabenkombinationen zu tun hatten. Es kam, wie es kommen musste: Da keine relevanten Signale für eine vernünftige maschinelle Beurteilung fehlten (und für die Suchbegriffe eigentlich keinerlei passende Treffer vorlagen), bekamen die Klickstream-Signale ein viel zu starkes Übergewicht und gaben in diesem Sonderfall den Ausschlag.

Was kann man daraus tatsächlich ableiten? Natürlich, dass Bing solche Klickstream-Signale aufnimmt und auswertet – was von dort aber auch offen kommuniziert und nie abgestritten wurde. Dass großflächig und gezielt Google-Ergebnisse abgezogen werden, aber sicherlich nicht. Diesen Beweis ist Google bisher schuldig geblieben. Insofern dreht sich die ganze Aufregung eigentlich um einen falsch verallgemeinerten Sachverhalt, der zudem noch nicht mal heimlich gemacht wurde, sondern offen kommunizierter Teil des Algorithmus von Bing ist. Auch mir war dieser Sachverhalt aus einigen “intimeren” ;-) Gesprächen mit Bing-Mitarbeitern bekannt. Möglicherweise werden von Bing auch Klickstreams von anderen Suchmaschinen mit ausgewertet, um herauszubekommen, was Menschen für einen Suchbegriff als Ergebnis relevant finden. Möglicherweise werten aber auch andere Suchmaschinen die Klicks bei deren Mitbewerbern aus. Dafür käme prinzipiell zumindest in technischer Hinsicht jeder in Frage, der einen eigenen Browser im Markt hat und/oder eine Toolbar, die das Surfverhalten nach Hause telefoniert.

Fazit: Viel Aufregung um eigentlich nichts, was nicht schon bekannt gewesen wäre. Dass sich die Medien auf den vermeintlichen Datenklau stürzen, ist logisch und verständlich. Bad news are good news…! Aber Website Boosting Leser wissen immer ein klein wenig mehr ;-)

25 Antworten zu “Kopiert Bing die Suchergebnisse von Google?”
  1. [...] 02.02.2011 10:20: Website Boosting stellt hier einiges klar, die Sache scheint doch etwas anders zu sein als von Google dargestellt. Vielen Dank an Christoph [...]

  2. cvw sagt:

    Ich habe mich auch schon gefragt warum das Thema so gehypt wird. Danke für den klärenden Beitrag, Mario!

  3. Die Argumentation ist nicht schlüssig.

    Die Google-Mitarbeiter werden doch nicht selbst auf die “unsinnigen” Ergebnisse geklickt haben. Nur dann wäre es nachvollziehbar, dass Bing (ohne SERP-Scraping) die gleichen Listings auf die “unsinnige” Anfrage hin ausliefert.

    Wie sonst sollen Klickstream-Daten entstehen, die dazu führen, dass Bing das gleiche Listing bietet wie Google?

  4. @sebastian: doch, sie haben geklickt, schreibt google selber: “We asked these engineers to enter the synthetic queries into the search box on the Google home page, and click on the results…”

  5. @oliver

    Danke! Dann macht das Sinn.

  6. Georg sagt:

    Google macht mit seiner Toolbar, Chrome, etc. natürlich ganz was anderes. Klickstreamdaten interessieren überhaupt nicht.
    Außerdem deaktiviert sich die G.Toolbar auf der bing.com-Domain.

    Ach Leute…

  7. [...] This post was mentioned on Twitter by Hanns Kronenberg, Mario Fischer, Hanta Seewald, cfaltin, Der nette SEO and others. Der nette SEO said: RT: @mariofischer: Der Google-Bing Streit. Was ist wirklich passiert? Website Boosting klärt auf… http://bit.ly/hyQP3M [...]

  8. Hamza sagt:

    Warum der Hype in der Presse? Ganz einfach, es hört sich toll an: “Google stellt Bing eine Falle und erwischt sie beim Klauen.”

    Dass Suchmaschinen auch für Krimigeschichten geeignet sind, macht unsre Branche doch glatt spannender :-)

  9. Als ich die ersten Posts dazu gelesen hatte, habe ich erst gedacht, ich hätte etwas falsch verstanden. Denn dass Bing den Klickstream verwertet und Google-Mitarbeiter auf die Müll-Ergebnisse geklickt haben, war bekannt. Die logische Konsequenz ist, dass die Ergebnisse von Bing übernommen worden. Aus dem Algorithmus heraus, nicht über SERP-Scraping.

    Hoch lebe die gute Schlagzeile!

    (Aber das ist ja im Moment so Uses, ich sage nur: Bloggergate)

  10. @torsten

    Ich habe gerade Trippertipss gelesen ;-) Wir müssen auch mal wieder ein Bierchen zusammenzischen. Ist ja Jahre her!

  11. Valkyrie sagt:

    Eine Frage die ich mir stelle ist, ob diese PR Aktion vielleicht irgendwas mit den Schwankungen in den SERPs der letzten Monate zu tun hat. (Ah eine Verschwörungstheorie)

    Wäre es denkbar das google in Sachen Click-Streaming genauso auf andere Quellen zugegriffen hat, und dieses Schema aus dem Algo verbannt hat, bevor diese Aktion gestartet wurde?

    Ist google doch böse? ;)

    Eher unwahrscheinlich. Im Nachhinein schon schade das nicht selbst getestet zu haben.

  12. Nennt man so etwas nicht auch Sensation Marketing?

    Alle Welt diskutiert wieder über die bösen Machenschaften der Suchmaschinen. – und so sind die beiden führenden wieder in aller Munde. Schön inziniert.

  13. Valkyrie sagt:

    @Heike

    Hier und andernorts ist google ohnehin laufend in aller Munde.
    Das bringt das alltägliche Geschäft so mit sich.

    Wie sieht es denn hingegen mit den Bild leser aus?
    Werden die in Sachen google auch wieder “gebildet”?

    Bei so was lachen die sich bei google wohl eher ins Fäustchen *g

  14. @Valkyrie

    nein, nein. – Ich denke, da habe ich mich sicherlich falsch ausgedrückt.

    Klar, das der Riese Google in aller Munde ist.
    Gerade deswegen habe ich Website-Boosting auch aboniert. Das ist nun mal ein Imprerium.

    Auch bei vielen andern Medien wird ständig von Google berichtet, ohne dass sie selber da was zu tun.

    Nur bei dieser Meldung habe ich nun halt wieder mal das Gefühl, das da noch etwas mehr hinterher kommt und das sich ehr bing dieses zu Nutzen macht.

    Und wenn z. B. “nur” über die Neuerungen oder Updates von Google geschrieben wird, hört man zwar hin, aber wie du schon geschrieben hast, verpufft das ehr in den täglichen Meldungen über die Suchmaschinen. So muss manchmal halt auch was interessantes her, was nachhaltig wirkt und in den Köpfen (nicht nur von SEO´s) hängen bleibt.

  15. [...] Drei: Und hier die Verteidigung für Bing, die erklärt, wie so etwas auch ohne »böse« Absicht als Nebeneffekt entstehen [...]

  16. [...] Kopiert Bing die Suchergebnisse von Google? – Viel Lärm um eigentlich so gut wie nichts. Bei Website Boosting geht man der Aufregung sachlich auf den Grund. [...]

  17. Holzmichel sagt:

    Warum sich Websiteboosting zu einem derartigen Kommentar hinreißen lässt und die Verwendung von Klickstream-Signalen (Daten) anderer Suchmaschinen als legitim erklärt, ist mir ein Rätsel. Muss wohl an der allgemeinen Stimmung gegen Google liegen.

    Es handelt sich hierbei eindeutig um das geistige Eigentum eines Anderen, das nicht ohne dessen Einverständnis verwendet werden darf. Wenn ich auf meiner Webseite einfach urheberrechtlich geschützte Bilder verwenden würde, hätte ich am nächsten Tag schon eine Abmahnung am Hals…

  18. Naja, man stimmt dieser Verwendung in der Regel durch Akezptieren der Nutzungsbedingungen zu. Es ist natürlich klar, dass die Meisten so etwas nicht genau durchlesen und einfach auf ok drücken. Das führt dann zu der Unwissenheit, dass man dem explizit zugestimmt hat…

    Ob der Klick auf ein Suchergebnis aber das geistige Eigentum des Klickenden ist, da wäre ich mir nicht automatisch sicher. Schließlich registriert auch die benutze Suchmaschine den Klick und wertet ihn aus. Da wären alle Trackingtools illegal, weil sie das “geistige Eigentum” der Besucher ungefragt nutzen…

    Ich denke, man muss die Kirche im Dorf lassen und zwischen Paranoia (die manchmal aber auch angebracht ist!) und Nutzen abwägen. Könnte niemand Klick und damit das eindeutige “Mag ich/ interessiert mich”-Votum aufzeichnen, würde kein Seitenbetreiber der Welt etwas lernen und seine Angebote auf die Besucher abstimmen können.

    Wir wollen alle bessere und relevantere Suchergebnisse. Aber wehe, die Suchmaschinen versuchen wirklich, unsere Forderungen umzusetzen. Dann fühlen wir uns beobachten und äußern uns negativ. “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß” funktioniert halt nicht… ;-)

    Nat. ist es verständlich, wenn unbedarfte Surfer davor Angst haben, die Medien schüren ja auch täglich. Wer aber mit Sachkenntnis einen Moment lang tiefer nachdenkt, wird schnell erkennen, dass E-Commerce im weitesten Sinne zu unser aller (!) Nutzen ohne Messmetriken schwerlich vernünftig machbar ist. Wir mögen Angebot, die auf uns passen, die uns interessieren. Aber nach St. Florian (mess die anderen und mach mir den Angebotswolf) funktioniert das halt leider nun mal nicht…

  19. Holzmichel sagt:

    Ich denke, wir reden hier aneinander vorbei.
    Ich habe kein Problem damit, dass Google oder Bing meine Klicks auf Suchergebnisse auswerten und als Ranking-Faktor nutzen. Dies begrüße ich sogar, denn es hilft dabei, die Suchergebnisse zu verbessern.

    Mir geht es hauptsächlich um Folgendes: Die Suchergebnisse, die auf Grundlage von Googles Rechtschreibprüfung angezeigt werden, sind das geistige Eigentum von Google. Es handelt sich hierbei um einen Teil des Algorithmus, in dessen Entwicklung sicherlich eine Menge Zeit und Geld geflossen ist. Wenn Bing die Ergebnisse (Daten) nun einfach abgreift und als eigenes Suchergebnis präsentiert, handelt es sich um nichts anderes als Content-Diebstahl. Vielleicht wird jetzt mein Vergleich mit der Verwendung fremder Bilder (siehe oben) etwas deutlicher.

  20. Karl Kowald sagt:

    @Holzmichel: dein Vergleich ist ja ganz lieb, aber im Engeren Sinne macht Bing das ja auch gar net. Genaugenommen macht Microsoft nur eins: Es welche Seiten ein Besucher ansurft, wie lange er dort verweilt und welche links er dort klickt.
    Um das zu können muss Bing natürlich die Inhalte dieser Seite spidern.

    Schlussendlich versucht Bing dann die Signale die aufgefangen werden (Seite mit folgenden Inhalten, Keywords führen zu folgenden Klicks->weiteren Seiten – > Empfehlungen zu diesen Inhalten) auszuwerten um ihre eigenen Rankings zu verbessern.

    Wie die Seiten die dafür untersucht werden zustandegekommen sind ist dabei unerheblich… und wenn du deinen Vergleich machst, dann gilt der selbe Vergleich auch für jede andere Art der Seite. Denn im Grunde ist eine Zusammenstellung eines Fachartikels zu einem Thema inkl. weiterführender Links zum Thema nix anderes als eine gut sortierte SERP, nur halt net automatisiert erstellt sondern mit Hirn zusammengestellt.

    Würde dein Zugang zu dem Thema zutreffen wäre dieser Fall genauso Content-Diebstahl wie dein Beispiel. Und wenn man das dann so weiterspinnt sind wir wieder beim Zugang: Alle automatisierten Dienste machen Content-Diebstahl….

    Um den Kreis zurück zum Thema zu schließen würd ich jetzt salopp sagen das ihr Tatsächlich aneinander vorbeiredet weil du nicht auf die Thematik die im Artikel besprochen wurde eingegangen bist sondern eher die Grundsatzfrage dahinter angesprochen hast. ;)

  21. Valentin sagt:

    es ist denkbar aber eher unwarscheinlich

  22. Hochinformativer Blogbeitrag. Vielen Dank die nützlichen Einsichten ins Innenleben von Bing. Ich lese hier immer gerne – dient mir sozusagen als SEO Texter zur internen Fortbildung.

    Lg

    wolfgang

  23. Johnk883 sagt:

    omg! cant picture how quick time pass, after August, ber months time already and Setempber may be the 1st Christmas season in my location, I genuinely really like it! degbagcdgdkd

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